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Montag, 25. Mai 2015
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Karlsruhe: Karlsruhe ist Sieger beim Deutschen Fahrradpreis
Preisverleihung Deutscher Fahrradpreis / Bild: Dirk Michael Deckbar
 
Karlsruhe: Karlsruhe ist Sieger beim Deutschen Fahrradpreis
Preisübergabe beim Nationalen Radverkehrskongress/Auszeichnung für die beste Kommunikationsmaßnahme

Karlsruhe hat den "Deutschen Fahrradpreis" in der Kategorie „Die fahrradfreundlichste Entscheidung - Kommunikation“ gewonnen. Bei der Preisübergabe (18. Mai 2015) im Rahmen des Nationalen Radverkehrskongress in Potsdam nahm Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner, Leiterin des Stadtplanungsamts, zusammen mit Katrin Herold, im Planungsamt für Radförderung zuständig, den Preis für "Fahrradfreundliches Karlsruhe: Tu's aus Liebe" entgegen. „Die Kampagne spricht ein ernstes Thema mit Humor an. Sie richtet sich an alle Verkehrsteilnehmer und trifft bei ihnen auf offene Ohren, weil niemand belehrt oder kritisiert wird. Stattdessen wird rücksichtsvolles Verhalten positiv verstärkt“, lobte Katrin Lange, Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, die den Preis überreichte. Die Jury überzeugte außerdem das Engagement der Stadt, die mit der Kampagne gezielt an bestehende Maßnahmen anknüpft.

"Wichtig ist, dass die Kampagne langfristig angelegt ist und unsere Infrastrukturmaßnahmen ergänzt“, hebt Karmann-Woessner ein Erfolgsfaktor hervor. „Durch unser langfristiges Engagement können wir die Themen variieren, die Kampagne bleibt lebendig und die Botschaften erreichen dadurch die Verkehrsteilnehmenden leichter. Gleichzeitig ist insbesondere die Unterstützung durch die politischen Vertreter, also die Stadträte und den Baudezernenten und die Verwaltungsspitze wichtig“, die Karmann-Woesner, „sie unterstützen die Kampagne nicht nur in den gemeinderätlichen Gremien, sondern auch vor Ort, etwa durch das Verteilen des Radlerfrühstücks am Draistag oder von Schokoladennikoläusen am Nikolaustag als Belohnung für das Radeln mit Licht."

„Einmal mehr zeigt die Auszeichnung uns, dass wir in Karlsruhe auf der richtigen Spur radeln“, freut sich denn auch Bürgermeister Michael Obert über den neuerlichen Erfolg bei einem bundesweiten Radwettbewerb. Bewusst sei das Radförderprogramm auf mehrere Säulen gebaut. Die Radinfrastruktur zu ertüchtigen sei das eine, das Miteinander im Straßenverkehr zu thematisieren und ohne erhobenem Zeigefinger für einen gutes Klima unter allen Verkehrsteilnehmerinnen und -teilnehmern zu werben, das andere, so Obert.

„Der Deutsche Fahrradpreis“ ist ein bundesweiter Wettbewerb zur Förderung des Radverkehrs in Deutschland. 2015 wurde er vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in NRW e.V. (AGFS), dem Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) und dem Verbund Service und Fahrrad g.e.V. (VSF) zum 15. Mal ausgelobt.

Intention ist, als Bestandteil des Nationalen Radverkehrsplans der Bundesregierung beispielhafte Projekte bei Entscheidungsträgern und Fachleuten bekannt zu machen. Ein weiteres Ziel des Wettbewerbs ist es, das Image des Fahrrads in der Öffentlichkeit aufzuwerten und somit mehr Menschen in Deutschland zum Fahrradfahren zu bewegen.

Insgesamt wurden 2015 Preise für vier Kategorien vergeben. Neben Karlsruhe wurden als Good-Practice-Beispiel für die fahrradfreundlichste Entscheidung in der Kategorie Infrastruktur die Nordbahntrasse Wuppertal und in der Kategorie Service das Projekt „Fahrräder für Flüchtlinge“ des ADFC Saarland ausgezeichnet. Boris Palmer wurde als Fahrradfreundlichste Persönlichkeit ausgezeichnet. 113 Bewerber konkurrierten um die mit insgesamt 9.000 Euro dotierte Auszeichnung.

Die Kampagne "Tu's aus Liebe" (www.kopf-an.de) macht auf lockere, unkonventionelle Weise konkrete Handlungsempfehlungen. Mit "Liebe auf den ersten Schulterblick" oder "Mach dich sichtbar" zielt sie auf mehr Rücksichtnahme im Verkehr sowie die Eigenverantwortung der Radfahrerinnen und Radfahrer.

zum Bild oben:
Katrin Lange, Staatssekretärin im Ministerium für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, überreicht Prof. Dr. Anke Karmann-Woessner (Leiterin Stadtplanungsamt) und Katrin Herold (Radplanung Stadtplanungsamt) die Auszeichnung. / Foto: (c) Dirk Michael Deckbar
 
 

 
Fahrrad auf Reisen: Quer durch Deutschland ab 9 Euro
Fahrradfahrer können ihr Rad günstig mit auf Reisen nehmen. Das zeigt ein Vergleich der Stiftung Warentest. Zahlreiche Fernbus-Anbieter bieten Fahrradtickets für 9 beziehungsweise 10 Euro an. Der Preis gilt für ein Fahrrad in Standardgröße und maximal 25 Kilogramm Gewicht.

Die Deutsche Bahn möchte die Fahrradmitnahme im ICE ab Ende 2017 ermöglichen, im City-Night-Line kommt das Rad schon heute für 10 Euro ans Ziel. Auch IC und EC bieten Fahrradstellplätze, das Ticket kostet 9 Euro bzw. 6 Euro mit Bahncard. Im Regional- und Nahverkehr kostet ein bundesweites Fahrrad-Tagesticket 5 Euro.

Deutlich teurer ist das Fahrrad im Flugzeug, die Kosten variieren jedoch stark je nach Flugzone und Fluglinie. So verlangen Lufthansa und KLM innerhalb Deutschlands und Europas zum Beispiel rund 50 Euro, Turkish Airlines 30 und Iberia 75 Euro.

Egal welches Verkehrsmittel: Die Stiftung Warentest empfiehlt, das Fahrradticket möglichst früh zu buchen, damit sich Radfahrer bei Engpässen um Alternativen kümmern können.

So kann das Rad auch im normalen Versandhandel verschickt werden. Die Transporteure holen das Fahrrad zuhause ab und liefern es zur Wunschadresse. Das dauert innerhalb Deutschlands zwischen zwei und vier Werktage und kostet bei Hermes rund 40 und bei DHL rund 50 Euro. Günstiger versendet die Deutsche Bahn (ca. 25 Euro).

Der ausführliche Vergleich erscheint unter www.test.de/radreisen und in der Juni-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest (seit 20.05.2015 am Kiosk).
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NABU zum Petersberger Klimadialog: Der Klima-Countdown läuft
Deutschland muss jetzt von allen Ländern höhere Klimaschutzziele einfordern

Anlässlich des Petersberger Klimadialogs Anfang kommender Woche appelliert der NABU an die Bundesregierung, von allen Ländern stärkere Anstrengungen für den Klimaschutz und eine Erhöhung der länderspezifischen Klimaziele einzufordern. Bei dem Treffen in Berlin werden Vertreter von 35 Staaten die Weltklimakonferenz Ende des Jahres in Paris vorbereiten. „In knapp 200 Tagen soll ein weltweites und ambitioniertes Klimaschutzabkommen stehen – doch davon ist die Staatengemeinschaft noch weit entfernt. Alle Länder müssen dem Klimaschutz jetzt höchste Priorität einräumen. Denn sonst steht die Welt am Ende wieder mit einem Hätte-, Wenn- und Aber-Abkommen da“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke.

Deutschland sei in der Vorbereitung des Abkommens als Gastgeber des Petersberger Dialogs und aktueller G7-Vorsitzender besonders gefordert. „Noch sind die konkreten Klimaschutzziele aller Länder viel zu gering. Die Bundesregierung muss sich dringend dafür einsetzen, dass alle Staaten hier ihre Anstrengungen erheblich steigern, dass dies vertraglich festgehalten und auch überprüfbar wird“, so Tschimpke. Zusätzlich müsse auch ein Überprüfungsprozess für die einzelnen Klimaschutzziele der Länder entwickelt werden, der sie vergleichbar macht und ihre Wirksamkeit garantiert. Denn derzeit setzt sich jedes Land individuelle Ziele mit selbst gewählten Zeiträumen und ohne Vergleichbarkeit.

Das kommende Klimaschutzabkommen wird erstmals Beiträge von allen Ländern einfordern. Auf dem Verhandlungstisch liegt seit der Klimakonferenz in Lima Ende letzten Jahres ein Papier mit sehr vielen Optionen und nur wenigen konkreten Vereinbarungen. Strittig ist nicht nur die Frage, wie das Zwei-Grad-Ziel erreicht werden soll, sondern auch wie entscheidende Fragen zur Finanzierung geklärt und vertraglich festgehalten werden. „Industrieländer wie Deutschland müssen jetzt als mutige Wegbereiter auftreten und sich international stärker finanziell beteiligen. Nur so steigt auch in den Schwellen- und Entwicklungsländern die Kompromissbereitschaft, eigene, vergleichbare und überprüfbare Verpflichtungen einzugehen“, so Tschimpke.

Bis Paris brauche es eine kluge Strategie, wie die Klimaschutzkonferenz erfolgreich abgeschlossen werden kann. Deutschland müsse hier als Vorbild für eine naturverträgliche Energiewende und die Erreichung der nationalen Klimaschutzziele vorangehen. „Langfristig ist Klimaschutz nur zu machen, wenn der Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern gelingt“, so NABU-Klimaexperte Sebastian Scholz. „Mit dem Klimabeitrag für die dreckigsten Kraftwerke geht die Bundesregierung einen ersten Schritt in die richtige Richtung.“
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NABU: Eine lebendige Havel dank EU-Naturschutzrichtlinien
Bedeutender Naturschatz in Europa - „Fitness-Check“ darf nicht zum Naturschutz-Abbau führen

Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand: Aktuell haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedsstaaten die Gelegenheit, sich bis zum 24. Juli zur Bedeutung und zu einer möglichen „Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und der Vogelschutzrichtlinie. Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt der NABU jede Woche unter www.NABU.de/naturschaetze ein Gebiet, eine Art oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren oder ohne diesen verloren gehen könnten. Bürgerinnen und Bürger können sich jetzt auf der Kampagnenseite für die Naturschätze einsetzen.

Unter dem Schutz der EU hat sich die Untere Havelniederung gleich in zweierlei Hinsicht zum „Naturschatz“ entwickelt: Sie bildet die Achse zwischen mehreren Natura-2000-Gebieten und beherbergt zugleich zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, die durch die FFH- und Vogelschutzrichtlinie geschützt sind. Entlang der rund 90 Flusskilometer zwischen Pritzerbe und Gnevsdorf finden sich viele schützenswerte Lebensräume. Die Untere Havel ist nicht nur eines der bedeutendsten Feuchtgebiete des westlichen Mitteleuropas. Als Rast- und Überwinterungsgebiet nordischer Sumpf- und Wasservögel ist sie auch für den internationalen Artenschutz von großer Bedeutung. Mehr als 1.100 gefährdete und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen, wie etwa Biber, Fischotter, Sumpfdotterblume und Kuckucks-Lichtnelke, sind hier zu Hause.

Wie wichtig die Verankerung von Naturschutzrichtlinien ist, zeigt ein Blick auf den „Werdegang“ der Unteren Havel. Durch Regulierungsmaßnahmen gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Havel viel von ihrer ursprünglichen Dynamik genommen. Der Bau von Deichen und Uferbefestigungen, der zunehmende Schiffsverkehr sowie die wachsende Belastung durch Abwässer und Einträge aus der Landwirtschaft setzten dem Fluss stark zu.

Im Jahr 2005 hat der NABU daher das größte europäische Projekt zur Renaturierung eines Flusses gestartet. Auf etwa 19.000 Hektar werden verschiedene Maßnahmen, darunter die Entfernung von steinernen Uferbefestigungen und der Anschluss von Altarmen, umgesetzt, um so große Flussabschnitte der Unteren Havel wieder zu ihrer ursprünglichen Vielfalt zurückzuführen.

Vor diesem Hintergrund möchte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich für starke Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen. Einige Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschwächung der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von allein in Deutschland über 5.000 Natura-2000-Gebieten könnte damit geschwächt werden. Die Jagd auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von Fledermäusen, Bibern und Buchenwäldern stünde wieder zur Debatte.

Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der EU-Vogelschutz- und FFH-Richtlinie, sondern auch eine konsequentere Durchsetzung und Finanzierung der geltenden Naturschutzstandards. „Wenn die EU-Kommission, das Europäische Parlament und die Mitgliedstaaten es ernst meinen mit dem Stopp des Artensterbens bis 2020, wozu sie sich verpflichtet haben, dann muss eine breit angelegte Naturschutzoffensive eingeleitet werden. Das bedeutet: mehr Geld und mehr Personal für die Naturschutzverwaltungen, aber auch klare Bestimmungen für Schutzgebiete sowie empfindliche Strafen für illegales Töten von Zugvögeln in der ganzen EU“, so NABU-Präsident Olaf Tschimpke.
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NABU: Die dreckigsten Kohlekraftwerke müssen vom Netz
Kein Einknicken vor der Kohle-Lobby – Falsches Signal für den Weltklimagipfel in Paris

Zu jüngsten Medienberichten, dass der von Bundesumweltminister Gabriel geplante Klimaschutzbeitrag des Stromsektors auf Druck von Unternehmen, Gewerkschaften und Unionspolitikern um rund ein Drittel gekürzt werden soll, erklärt NABU-Präsident Olaf Tschimpke: „Mit dem Klimabeitrag hat der Wirtschaftsminister ein kluges Instrument vorgelegt, um Klimaschutzbeiträge im Energiesektor zu erzielen – es wäre ein Armutszeugnis wenn Sigmar Gabriel nun vor der Kohle-Lobby einknickt. Die dreckigsten und ältesten Braunkohlekraftwerke müssen in absehbarer Zeit vom Netz, sonst werden kaum die Klimaziele bis 2020 zu schaffen sein.“

Statt der bisher veranschlagten zusätzlichen 22 Millionen Tonnen CO2 sollen gemäß der bekanntgewordenen Pläne nun lediglich 16 Millionen Tonnen durch den Kraftwerkspark eingespart werden. In der Konsequenz heißt das, dass die alten Kohlemeiler deutlich länger laufen werden und höhere Beiträge in anderen Sektoren geleistet werden müssen – wie genau das gehen soll, ist noch unklar. „Das Herumlamentieren und Feilschen um die Anteile, die in jedem Sektor zu leisten sind, muss ein Ende haben. Die Vorschläge, die auf dem Tisch liegen, müssen endlich aufgegriffen werden, der Klimaschutz kann nicht mehr warten“, warnt Tschimpke. Wenn sich Deutschland international weiterhin als Vorreiter in Sachen Klimaschutz profilieren wolle, dürfe die Glaubwürdigkeit nicht so leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden.

Zeitgleich mit Bekanntwerden der Pläne fand in Deutschland der Petersberger Klimadialog zur Vorbereitung des internationalen Klimaschutzabkommens in Paris im Dezember statt, der am heutigen Dienstag zu Ende geht. „Wenn die Bundesregierung nicht in der Lage ist im eigenen Land glaubwürdigen Klimaschutz zu gestalten, kann sie wohl kaum von anderen Ländern mehr Ambitionen im Klimaschutz fordern“, so NABU-Klimaschutzexperte Sebastian Scholz. „Kanzlerin Merkel hat es versäumt, sich klar für die Pläne ihres Wirtschaftsministers auszusprechen und damit zugelassen, dass die Besitzstandswahrer der Kohle-Industrie direkt die internationale Klimadiplomatie torpedieren.“
 
 

 
NABU zum Artenschutzreport
Alarmierender Zustand unserer Tier- und Pflanzenarten

Aktuelle Lage der Natur muss Weckruf für Politik sein

Der NABU wertet den am heutigen Mittwoch veröffentlichten Artenschutzreport 2015 als ein alarmierendes Signal und fordert Bund und Länder auf, aktiv gegen den dramatischen Artenschwund in Deutschland vorzugehen. Sonst werde das Ziel, den Artenverlust bis 2020 zu stoppen, nicht erreicht werden. Für den erstmals erschienenen Report hatte das Bundesamt für Naturschutz (BfN) verschiedene Studien und Analysen der vergangenen Jahre zusammengeführt. Jede dritte untersuchte Art in Deutschland ist danach gefährdet.

„Der Zustand von Tieren, Pflanzen und Lebensräumen verschlechtert sich in rasantem Tempo. Die aktuelle Lage der Natur muss ein Weckruf an die Politik sein. Denn Abwarten führt dazu, dass unsere Natur immer weiter Schaden nimmt“, sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke. Zeitgleich mit dem Artenreport des BfN hat die EU heute einen Bericht zur Lage der Natur in Europa vorgestellt, der ebenfalls dramatische Zahlen des Artenverlustes in Deutschland und Europa unterstreicht. Danach sind beispielsweise die Bestände der Turteltaube in der EU seit dem Jahr 1980 um 95 Prozent zurückgegangen, der Kiebitzbestand ist in Deutschland im gleichen Zeitraum auf ein Viertel geschrumpft.

Tschimpke forderte Bund und Länder auf, endlich mehr für den Naturschutz zu tun. „Die Lösungen liegen auf der Hand: Unsere Arten brauchen eine stärkere Vernetzung ihrer Lebensräume. Außerdem ist ein besseres Management der Schutzgebiete erforderlich. Und nicht zuletzt müssen die Einflüsse des Menschen auf die Natur verringert werden, wenn wir Flächen für die Land- und Forstwirtschaft oder für den Siedlungsbau nutzen. Nur so können wir den dramatischen Abwärtstrend noch stoppen“, so der NABU-Präsident.

Mit Blick auf die Situation von Arten und Lebensräumen sei es geradezu zynisch, dass die EU-Kommission derzeit über eine Aufweichung der Naturschutzrichtlinien diskutiere. „Die Faktenlage ist ein unmissverständliches Plädoyer für eine bessere Umsetzung eben dieser Richtlinien. Jeder Einschnitt hätte dramatische Folgen“, warnte Tschimpke. Genau aus diesem Grund hätten sich auch bereits über 100.000 EU-Bürger an einer aktuell laufenden Online-Aktion zum Schutz der Natur beteiligt.

Zwar zeige der Artenschutzreport auch einzelne positive Entwicklungen auf, etwa für den Biber, den Wolf oder den Schwarzstorch. Doch gehen diese auf intensive Schutzbemühungen zurück und wären ohne die EU-Naturschutzrichtlinien nicht denkbar. Ihnen stehen jedoch massive Bestandsrückgänge bei einer Vielzahl der Tier-, Pflanzen- und Pilzarten gegenüber. Wertvolle Lebensräume wie Moore, Flüsse und Auen, Wälder oder auch extensiv bewirtschaftete Agrarlandschaften sind stark beeinträchtigt. Als Hauptursachen des Artenrückgangs benennen sowohl der Artenschutzreport als auch die EU-weite Analyse eine immer intensivere Landnutzung sowie die Effekte des Klimawandels.


Zum Hintergrund:

Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand: Bis zum 24. Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen „Modernisierung" der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und Artenschutz zu äußern: der Fauna-Flora-Habitat- (FFH-) -und der Vogelschutzrichtlinie. Mit Blick auf diese EU-Bürgerbefragung zum „Fitness Check“ möchte der NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich unter www.NABU.de/naturschaetze für starke Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen.
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NABU: Feste Fehmarnbeltquerung kommt Jahre später
falls überhaupt

Miller: Einstieg in den Ausstieg aus Europas größtem Verkehrsprojekt

Aus NABU-Sicht deuten aktuelle Medienberichte, dass Dänemark den Bau der geplanten festen Fehmarnbeltquerung zwischen Fehmarn und Lolland um Jahre nach hinten verschieben muss, auf einen Einstieg in den Ausstieg aus Europas größtem Verkehrsprojekt hin. NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller: "Mit der Begründung des Baukonsortiums Fehmern A/S, man würde über eine zeitliche Verlängerung bessere Baupreise aushandeln, wird der Öffentlichkeit angesichts parallel steigender Baukosten für Stahl oder Beton Sand in die Augen gestreut. Die Art und Weise, wie jetzt versucht wird, die Verzögerungen schönzureden, zeigt, dass etwas ganz fundamental nicht stimmen kann am Irrsinnsprojekt Feste Fehmarnbeltquerung."

Auch Deutschland tue sich mit dem erheblichen Investment von rund drei Milliarden Euro allein für die Anbindung auf deutscher Seite angesichts marginaler Verkehrsprognosen von täglich 10.000 Fahrzeugen (zum Vergleich: Elbtunnel 150.000) schwer. Nach Einschätzung des NABU würden die dort verbauten Gelder für den dringend notwendigen Erhalt maroder deutscher Infrastruktur gerade in Norddeutschland fehlen. Treueschwüre der Bundesregierung zum Vorhaben hält Miller deswegen für diplomatisches Geplänkel.

"Deutschland wollte die Verbindung nie und Dänemark laufen die Kosten aus dem Ruder. Langsam wird es Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme des überflüssigen Großprojektes", so Miller. Häufig zuvor hatte der NABU darauf hingewiesen, dass Artikel 22 des Staatsvertrages zur Festen Fehmarnbeltquerung Verhandlungen vorschreibt, wenn sich die Rahmenbedingungen des Vorhabens verändern. Dieser Fall sei längst eingetreten. Aus finanziellen, verkehrlichen und ökologischen Gründen müsse der Tunnel endlich zu Grabe getragen werden.
 
 

ÖKO-TEST RATGEBER - Gesund Wohnen
Der aktuelle ÖKO-TEST RATGEBER – Gesund Wohnen ist ab dem 8. Mai erhältlich.
 
ÖKO-TEST RATGEBER - Gesund Wohnen
Gesamtkunstwerk Zuhause: In Zeiten wie diesen ist nur eines sicher, nämlich dass (fast) nichts sicher ist. Weder der Arbeitsplatz noch die Rente, vielleicht nicht einmal das Ersparte. Umso mehr gilt die alte Erkenntnis der Engländer: My home is my castle. Wohneigentum ist ein wichtiger Baustein der Vorsorge, garantiert mietfreies Wohnen im Alter und ist Hartz-IV-sicher. Selbstverständlich geht es in diesem ÖKO-TEST RATGEBER – Gesund Wohnen nicht nur ums Geld, sondern auch um ökologisches und gesundes Bauen, Wohnen und Renovieren. Sie erhalten Tipps, was Sie dringend beachten sollten, um Ihr Castle nicht mit Schadstoffen teilen zu müssen. Damit Sie sich Ihr neues Heim im Alter auch noch leisten können, erfahren Sie in diesem Ratgeber alles über ökologische Dämmstoffe, moderne Heizungen, Sonnenstrom – und Geld vom Staat dafür.

Die Tests (Auswahl):

• Bodenbeläge: Mehrschichtige Bodenbeläge mit Klicksystem ermöglichen es, recht einfach einen Raum Stück für Stück auszulegen. Sowohl in der Praxisprüfung als auch in der chemischen Analyse lieferten die getesteten Produkte überwiegend positive Ergebnisse. Allerdings entdeckte das Labor vereinzelt ausdünstende und giftige zinnorganische Verbindungen.

• Spachtelmassen: Wer keine Lust hast, selbst den Gips anzurühren, um Löcher zuzuspachteln, kann
die Masse auch einfach aus der Tube drücken. Doch bei vielen Spachtelmassen haperte es im Praxistest und manche enthalten problematische Konservierungsstoffe wie Isothiazolinone, die Allergien auslösen können.

• Silikonfugenmassen: Um Schimmelbefall zu bekämpfen, sind die Fugenmassen mit reichlich Bioziden ausgerüstet. Womit aber genau, darüber lassen viele Anbieter die Verbraucher im Unklaren. Immerhin fünf Produkte landen mit „gut“ im grünen Bereich.

• Lehmfarbe/-putze: Für die kreative Gestaltung von Oberflächen werden Lehmanstriche oft als natürliche und wohngesunde Alternative angepriesen. Doch die getesteten Produkte wirken sich nur mäßig aufs Raumklima aus. Immerhin ist ihre radioaktive Strahlung vernachlässigbar und an den Inhaltsstoffen gibt es nur wenig zu kritisieren.

• Raufasertapeten: In zwei von drei Haushalten kleben Raufasertapeten an den Wänden. Recht so: Sowohl im Praxistest als auch in der chemischen Analyse zeigten die getesteten Produkte nur kleinere Mängel. ÖKO-TEST kritisiert unter anderem, dass diese halogenorganische Verbindungen enthalten, von denen einige als allergieauslösend gelten. Eine Tapete riss im Praxistest bei der Verarbeitung ein.

• Werkzeugkästen: Kleinere Reparaturen lassen sich mit Hammer, Zange und Schraubendreher schnell selbst erledigen. Für die Erstausstattung bietet sich ein Universalwerkzeugkoffer an. Der Test zeigt: Von vermeintlichen Schnäppchen sollte man besser die Finger lassen – ihnen mangelt es an Qualität. So hielten zwei Hämmer aus Billigkoffern im Zugtest nicht einmal der Mindestkraft stand.

• Gartendünger: ÖKO-TEST kann nur zwei von 20 empfehlen. 13 Dünger tragen mehr als dreimal so viel an Schwermetallen in den Boden ein, als ihm in einer Vegetationsperiode entzogen werden kann. Manche Produkte enthalten zudem bis zu sechs verschiedene Pestizide. Ärgerlich ist auch, dass der Nährstoffgehalt mancher Dünger von dem abweicht, was auf der Verpackung deklariert ist.


Und außerdem:

• Öko-Baustoffe: Natürlich kein Freifahrtschein
Bauprodukte aus natürlichen Rohstoffen können vieles genauso gut und manches besser als Produkte, die aus nicht nachwachsenden oder mineralischen Rohstoffen hergestellt werden. Doch „öko“ ist nicht automatisch gesund. In manchen Fällen sind sie sogar fehl am Platz.

• Radon: Die Gefahr aus dem Untergrund
Jedes Jahr sterben in Deutschland circa 1.900 Menschen durch das radioaktive Gas Radon. Trotzdem sind die Ursachen und Zusammenhänge den meisten Menschen unbekannt. Was kann man vorbeugend tun? ÖKO-TEST beantwortet die wichtigsten Fragen.

• Baufinanzierung: Nicht nur auf die Zinsen achten
Dank niedriger Baugeldzinsen lohnt es sich, den Bau oder Kauf eines Eigenheims jetzt anzugehen.
Bei der Wahl der richtigen Finanzierung sind jedoch nicht nur die Zinsen zu beachten. Es gibt eine
Reihe von teuren Fallen, die Sie bei umsichtiger Planung vermeiden können.
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